
Pressespiegel
Hilde Knef ungeschminkt
BZ, 5. September 2011
Eberhard Weißbarth drehte mit der Diva und erinnert sich in einem Hörbuch an jede ihrer Eskapaden
Mit Hildegard Knef zu filmen, konnte die Hölle sein. So hat es Regisseur Eberhard Weißbarth (63) erlebt. Er drehte 1990 eine Doku zum 65. Geburtstag der Diva (†2002). Die Knef, exzentrisch, nicht mehr gesund, brachte alle zur Verzweiflung. Weißbarth schrieb das alles in „Hildegard Knef – zwischen gestern und heute“ (Bibliothek der Provinz, 24 Euro) auf, jetzt ist das Werk als Hörbuch erschienen. Dafür hat er 20 Jahre alte Tonaufnahmen der Diva aufbereitet.
Herr Weißbarth, wie turbulent war die Arbeit mit Hildegard Knef?
Es ging schon los, als sie in Tegel ankam. Sie hatte gesagt:„Bitte keinen Auftrieb, ich komme inkognito.“ Ich nahm einen Mietwagen, für 50 Mark Blumen, stand im Parkverbot. Und was war? Sie hatte die Presse und Freunde bestellt, mich beachtete sie kaum. Ich dachte: Was für eine Zicke.
Wo haben Sie gedreht?
An den Stätten ihrer Kindheit, im Theater, in ihrem alten Filmstudio. Ihre Eskapadenwaren fürchterlich.
Inwiefern?
Schon die Maske dauerte zweieinhalb Stunden, Hilde wollte immer noch dies und das, kleinste Leberflecke durften nicht zu sehen sein. Wir sind fast irre geworden.
Wie war’s am Set?
Am Grab ihres Großvaters in Rangsdorf sagte sie mit einem Mal: „Ich will jetzt Kaffee trinken.“ Wir hatten alles mit, aber sie wollte in eine Konditorei. Wir waren aber noch nicht fertig, Kamera, Ton, Licht, warteten, es drohte zu regnen. War ihr schnurz.
Warum?
Sie hatte eben Launen. Mir blieb nichts übrig, als am Olivaer Platz ins Café zu gehen. Die Omis hörten auf zu schnattern, als sie reinkam. Alles rannte mit Bierdeckeln und Servietten und wollte Autogramme. Es dauerte eine Stunde, am Kaffee hatte sie nur genippt, mit dem Drehen wurde es nichts mehr.
Waren Sie sauer?
Ja. Ihre Eitelkeit war hoch drei. Wir hatten jeden Tag Krach und jeden Tag hat sie sich entschuldigt. Aber egal, ich bin heute noch ein Riesen-Fan von ihr.
Sie klingen, als hätten Sie die Diva Knef fast geliebt.
Stimmt. Ich sah sie mit 16 in „Das große Liebesspiel“ im Kino, danach hatte ich nur Frauen um Mitte dreißig, also Knefs Alter in dem Film.
Wie war es für Sie, als Hilde 2002 starb?
Ich war sehr traurig. Zwei Jahre vor ihrem Tod hat sie „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ aufgenommen. Mit der Stimme, die das Leben fast schon aushaucht. Das berührt mich noch heute. (redigiert von Eberhard Weißbarth)
Eberhard Weißbarth dreht Hommage für Alfred Hitchcock
Berliner Morgenpost, 13.Sepember 2008
Film-Legende Eberhard Weißbarth geht wieder an die Arbeit: Der Berliner bereitet den Dreh einer filmischen Hommage an Alfred Hitchcock vor. Das Drehbuch zu dem 39-Minüter, einen Kurzfilm ohne Worte, ist fertig. Weißbarth wählt den Arbeitstitel „Angst“, führt auch selbst Regie, spielt die Hauptrolle. Einen Mann, der seine Frau ermordet und beim Transport der Leiche mit dem Auto zur Havel von der Polizei gestoppt wird – nur weil das Rücklicht kaputt ist… Die Kamera, mit der Weißbarth die Szenen einfängt, ist mehr als 40.000 Euro wert. Das gleiche Modell benutzte Hollywood-Regisseur George Lucas für sein Erfolgs-Epos "Krieg der Sterne".
Regisseur veröffentlicht Buch über die Launen der Diva Knef
Berliner Morgenpost, 23. August 2008 - Von Franziska v. Mutius
Sie war eine der größten und beliebtesten Figuren der deutschen Filmgeschichte: Schauspielerin Hildegard „Hilde“ Knef. Doch das Arbeiten am Set war nicht immer einfach mit der Berliner Diva - so berichtet der Berliner Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor Eberhard Weißbarth in seinem neuen Buch „Hildegard Knef zwischen Gestern und Heute“, das Mitte Oktober zur Frankfurter Buchmesse erscheint.
Dreimal wären seine Dreharbeiten zu dem Dokumentarfilm mit dem gleichnamigen Titel – „Hildegard Knef zwischen Gestern und Heute“ – 1990 beinahe gescheitert, weil "die Knef so unberechenbar launisch war. Aber sie hat sich anschließend für ihre Eskapaden immer wieder entschuldigt", sagt Weißbarth. Deshalb seien sowohl der Film (zeigt 3sat am 29. August um 0.30 Uhr) als auch das Buch eine klare Hommage an die große deutsche Schauspielerin, die im Februar 2002 verstarb.
Rückblick: 1990 am Rangsdorfer See. Eberhard Weißbarth befindet sich am Set mit Hilde Knef. Er erinnert sich: „Hildegard machte plötzlich auf Diva und bestand auf einem Schlendern über den Sandstrand, weil der so schön dicht am Wasser liege. Ich lehnte freundlich ab, aus Sorge, sie könnte in ihren hohen Pumps umknicken und sich verletzen. Ich hatte plötzlich unwahrscheinlichen Bammel vor dem Dreh. Ich hatte keine Personenversicherung. Die wäre einfach zu teuer gewesen.“ Die Knef sei stur geblieben, berichtet Weißbarth in seinem amüsanten Buch weiter, sein Team habe den Kopf geschüttelt, schließlich habe man Knefs Ehemann Paul von Schell zu Hilfe geholt. „Er war eingeschüchtert, hatte Angst, mich vor seiner Frau zu verteidigen. Er sprach ganz zart und mild, wie ein Priester, der jemandem die letzte Ölung gibt, auf seine Frau ein. Hilde, sei doch vernünftig.“ Es kam, wie befürchtet: Hilde Knef knickte auf dem Sand um, verstauchte sich den Knöchel.
„Sie schimpfte wie ein Rohrspatz“, berichtet Weißbarth. „Sie wusste, sie hatte Schuld und wurde dann ganz kleinlaut. Die Katastrophe nahte. Ich brach den Dreh ab und kutschierte die Diva zum Onkel Doktor. Der Tag war hin.“
Spannung garantiert
Berliner Zeitung 15.4.2004:
Tobias Schormann: Herr Weißbarth, Sie beschäftigen sich seit Jahren mit Ihrem Kollegen Alfred Hitchcock. Auch ihr Oscar-nominierter Film "Echo" ist in Hitchcock-Manier gedreht. Was fasziniert sie so sehr an ihm?
Hitchcock war immer schon mein großes Vorbild. Seine Technik ist bis heute einzigartig geblieben.
Und was ist seine Technik?
Hitchcock gilt ja bekanntlich als der Meister des Suspense, zu Deutsch als Experte für spannungsgeladene Momente. Dabei arbeitet er mit einen einfachen, aber wirksamen Mittel: Der Zuschauer weiß mehr als die Figuren. In "Der Mann, der zu viel wusste" wartet der Gangster zum Beispiel auf einen Beckenschlag in einem Musikstück, der den tödlichen Schuss übertönen soll. Der Zuschauer weiß das und fiebert mit der Figur mit, während die Musik läuft. Er will ihr zurufen "Pass auf!", doch sie blickt ihn nur ahnungslos von der Leinwand an. Diese zähen Momente des lähmenden Entsetzens machen bei Hitchcock die Spannung aus.
Warum hält ein Regisseur einen Vortrag über einen anderen Regisseur?
Ich versuche seit Jahren, den Stil Hitchcocks zu analysieren. Den Leuten möchte ich nahe bringen, wie aktuell seine Arbeit heute noch ist. Mit Filmbeispielen zeige ich seine Entwicklung. Ich wünschte, heute würden mehr Regisseure arbeiten wie er.
Was ist bei heutigen Thrillern anders?
Sie sind oft überladen mit Effekten und legen den Fokus auf Action. Hitchcocks Filme leben von der Andeutung der Gefahr, sie regen die Fantasie an - heute setzen Filme dagegen auf einen Sinnesrausch. Hitchcock schafft es ohne große Gewaltszenen, die Zuschauer zu fesseln: So können Schritte auf dem Flur viel spannender sein als eine Explosion, die das ganze Haus in Schutt und Asche legt. Hitchcock pflegte zu sagen: Man darf den Zuschauer nicht unterschätzen.
Also hat er weniger technische Hilfsmittel eingesetzt?
Das nicht - Hitchcock war durchaus ein Technik-Tüftler. Besonders für die Geräusche in seinen Filmen hat er sich unglaubliche Dinge ausgedacht. So schlitzte er wochenlang Melonen auf, um herauszufinden, mit welcher Sorte man am ehesten das Geräusch imitieren kann, das entsteht, wenn ein Mensch mit einem Messer erstochen wird. Legendär ist auch die Klangkulisse in "Die Vögel". Hierfür kam das Trautonium zum Einsatz, ein vom deutschen Komponisten Oskar Sala speziell entworfenes Instrument, das besonders bedrohliche Vogelschreie ausstieß.
Welchen Einfluss hatten die Schauspieler bei Hitchcock?
So gut wie gar keinen. Hitchcock hat seine Filme zu Beginn Bild für Bild vorgezeichnet, er hatte sie komplett im Kopf, bevor er anfing zu drehen. Für berühmte Schauspieler wie Doris Day muss das ein Graus gewesen sein. Hitchcock soll zeitweise am Set eingeschlafen sein - für ihn war der Film ja schon fertig, als die Dreharbeiten begannen.
Muss man Hitchcock-Kenner sein, um vom heutigen Abend etwas zu haben?
Ich gebe zwar Tipps für Filmemacher, aber wer die Filme als Zuschauer genießen will, ist auch richtig.

